Das "Duo Rosé" wurde 1992 gegründet. Es widmet sich neben den Solowerken für Cembalo und Orgel dem selten gespielten, aber sehr reizvollen und ergiebigen Repertoire für zwei miteinander wettstreitenden (= konzertierenden) Tasteninstrumenten und für Cembalo bzw. Orgel zu vier Händen. Der Name bezieht sich auf die italienische und spanische Musik eines Domenico Scarlatti, Padre Antonio Soler, Baldassare Galuppi und anderer – sie ist eben spritzig wie ein guter Rosé!

Konzertreisen brachten das Duo mittlerweile nach Holland, Italien, Jamaika, Portugal und zuletzt nach Japan.

DAS REPERTOIRE • MUSIKBEISPIELE

Schon im 16. Jahrhundert wird in historischen Quellen berichtet, dass in mehreren oberitalienischen Kirchen zwei Orgeln vorhanden waren und auch zwei Organisten angestellt bzw. bezahlt wurden, die regelmäßig bei hohen kirchlichen Festen und anderen besonderen Anlässen zu musizieren hatten.

Besondere Impulse gingen in diesem Zusammenhang von San Marco zu Venedig aus, wo während der Amtszeit des Kapellmeisters Adrian Willert, eines der frühesten namhaften Vertreter doppelchöriger Musik, auch das Musizieren an zwei Orgeln eine bedeutende Entwicklung erfuhr. So entnehmen wir einem sehr schönen Bericht über den Besuch des französischen Königs Heinrich III. im Jahre 1574 in Venedig, dass zu dessen Ehrungen die beiden berühmten Organisten Claudio Merulo und Andrea Gabrieli dort auf den zwei weithin bekannten Orgeln zusammen konzertierten.

Die doppelchörige Praxis verbreitete sich über verschiedene Städte Norditaliens (z.B. Bologna) auch in andere europäische Länder. Oft findet sich bei doppelchöriger Musik die Anweisung "per ogni sorta di strumenti" (für jede Art von Instrumenten), was gewiss die Intavolierung für zwei Tasteninstrumente einschließt.

Das Musizieren auf mehreren Orgelinstrumenten war bis ins 19. Jh. hinein lebendig. Vom Kloster Einsiedeln in der Schweiz ist bekannt, dass in der Blütezeit sechs bis sieben Orgelinstrumente vorhanden waren. Die Bibliothek des Klosters belegt eindrücklich, dass das Repertoire für zwei bis vier Orgeln sehr lange gepflegt wurde. Dort liegen zahlreiche Stücke für mehrere Orgeln, u.a. ein "Caecilienmarsch für 3 Orgeln" von Kapellmeister Anselm Schubiger (1815-1890).

Musikbeispiele:
Giuseppe Guami (1540-1611)
1. Teil der Canzon "La Lucchesina" a 8 (1,42 MB)
Live-Mitschnitt eines Konzertes in Adaúfe, Portugal
Josef Blanco (2. Hälfte des 18. Jh.)
1º Concierto de dos organos (2.01 MB)
Live-Mitschnitt eines Konzertes in S. Lourenço-Porto, Portugal

Einer vollkommen anderen Art des Duospiels begegnen wir mit dem Repertoire zu vier Händen. Möglicherweise enstand das Komponieren zu vier Händen gegen Ende des 16. Jahrhunderts aus dem Bedürfnis heraus, Vokalmusik oder Musik für Gambenconsort, die die spieltechnischen Möglichkeiten für zwei Hände überstieg, auf einem Tasteninstrument wiederzugeben. Beleg dafür sind viele englische Quellen des 17. Jahrhunderts, die ursprünglich für Gambenconsort geschriebene Stücke als Transkriptionen enthalten.

Musikbeispiele:
Nicholas Carlston (16. Jh.)
A Verse for two to play (2,12 MB)
Von der CD "Duo Rosé – Musik für Cembalo und Orgel", Cavalli Records
Thomas Tomkins (1572-1656)
A Fancy for two to play (1,68 MB)
Mitschnitt eines Konzertes in S. Lourenço-Porto, Portugal

Die meisten Werke für zwei Orgeln sind aufgrund des räumlichen Abstandes der Instrumente im großen Kirchenraum naturgemäß großflächig oder alternierend angelegt, während ein dichtes Verzahnen in der kompositorischen Struktur kammermusikalischem Musizieren mit Kleinorgeln (sog. "Truhen") und Cembali vorbehalten ist.

Zu bemerken ist, dass die frühe "Claviermusik" keine strenge Trennung zwischen den verschiedenartigen "Clavier-Instrumenten" (sprich Tastenistrumenten) vornimmt, sondern eine gewisse Austauschbarkeit besteht. Der Kombination von Truhenorgel und Cembalo kommt dabei ein besonderer Reiz zu. Dies durften wir etwa beim Musizieren der heiteren und mitunter sogar burlesk anmutenden Concerti von Padre Antonio Soler oder im Miteinander so mancher eingerichteter Triosonate (wobei der Bass doppelt besetzt wird), etwa von Johann Sebastian Bach oder Georg Philipp Telemann erfahren.

Dieses spezielle Genre innerhalb des Duospiels umreißt die aufregende Phase der Musikgeschichte, die in knappem Zeitabstand und sich überlappend vom Spätbarock über den sog. "empfindsamen" und "galanten" Stil hin zur Wiener Klassik führt.

Musikbeispiele:
J.S. Bach (1685-1750)
1. Satz der Triosonate in Es, BWV 525 (1,59 MB)
Von der CD "Duo Rosé – Musik für Cembalo und Orgel", Cavalli Records
C.P.E. Bach (1714-1788)
Allegro aus: Vier kleine Duette (1,94 MB)
Von der CD "Duo Rosé – Musik für Cembalo und Orgel", Cavalli Records
P.A. Soler (1729-1783)
Andante aus: 1º Concierto (1,62 MB)
Mitschnitt eines Konzerts in Dornes, Portugal

Das vierhändige Spiel, von dem weiter oben in anderem Zusammenhang schon einmal die Rede war, wurde nicht nur auf Cembalo und Hammerklavier, sondern auch auf der Orgel immer beliebter und bis in die Romantik hinein mit Freude praktiziert. Einem besonders schönen Beispiel für die Pflege vierhändigen Orgelspiels zur Zeit der Wiener Klassik begegnen wir im Praeludium und Fuge C-Dur von Johann Georg Albrechtsberger, dem Lehrer Ludwig von Beethovens.

Musikbeispiel:
Johann Georg Albrechtsberger (1739-1809)
Praeludium und Fuge C-Dur (2,15 MB)
Mitschnitt eines Konzerts in Adaúfe, Portugal

Auch heute interessieren sich wieder einige Komponisten sowohl für vierhändiges Spiel als auch für das klanglich reizvolle Zusammenspiel von Cembalo und Orgel. So ist unser Repertoire stilistisch äußerst vielseitig und umfasst Werke aus Renaissance, Barock, Klassik, Romantik und Moderne, wenngleich naturgemäß ein besonderer Schwerpunkt auf der Musik des Barock liegt.

Musikbeispiele:
Flor Peeters (1903-1998)
Alleluja! O sons and daughters, let us sing (1,55 MB)
Von der CD "Duo Rosé – Musik für Cembalo und Orgel", Cavalli Records
Wie schön leuchtet der Morgenstern (2,37 MB)
Von der CD "Duo Rosé – Musik für Cembalo und Orgel", Cavalli Records